Das Museum ist das Herzstück unserer Arbeit. Es beherbergt eine nahezu unerschöpfliche Sammlung von Gegenständen, Bildern, keramischen Erzeugnissen und vielem mehr, die die Geschichte unserer Stadt lebendig werden lassen.Aus heutiger Sicht erscheint es geradezu unvorstellbar, unter welchen Bedingungen und mit welch einfachen Hilfsmitteln unsere Vorfahren ihr Leben gestalten mussten. Unser Museum versucht, Einblicke in viele Bereiche des Alltags zu geben, von der Schule bis zur Töpferei, von der Landwirtschaft bis zum  Haushalt, eben vom ganz normalen Leben. Ein Besuch in unserem Museum lohnt sich für jeden, der mehr wissen will über die Stadt in der wir leben.
Das Glanzstück des Museums schlechthin ist aber wohl eine komplette funktionsfähige Pfeifenwerkstatt. Erst vor wenigen Jahren ist es einigen besonders engagierten Vereinsmitgliedern gelungen, dieses einmalige Denkmal früherer
Handwerksgeschichte zu erwerben und im Museum der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Besuchen Sie uns - es lohnt sich!

Ein großer Bierhumpen mit besonderer Bedeutung
erläutert von Uwe Ch. Finke, M.A.
 
Im „Museum für Stadtgeschichte“ ist eine Kostbarkeit zu besichtigen, gemessen an ihrer Bedeutung für die Stadtgeschichte. Eine Höhr-Grenzhausener Familie, die ungenannt bleiben möchte, schenkte vor Jahren dem Museum einen großen, etwa 15 Liter fassenden Humpen. Er ist 450mm hoch und hat einen Durchmesser von 23mm. Das salzglasierte Steinzeuggefäß ist sorgfältig handgedreht, der angesetzte Henkel wurde in einer zweiteiligen Form vorgefertigt.
 
Die Vorderseite ziert das Wappen der ehemaligen Kannenbäckerzunft von 1717. In bunten Emailfarben handgemalt sind dargestellt oben links das Kreuz des Kurfüstentums Trier, das Balkenwappen mit Turnierkragen für das Herzogtum Sachsen-Eisenach (damals Herren des Amtes Bendorf), darunter der Löwe der Grafschaft Sayn-Wittgenstein und unten links das Balkenwappen mit Pfau für die Grafschaft Wied-Neuwied. Alle diese Landesherrschaften hatten damals Anteil am Kannenbäckerland und seinen Ortschaften.  Unter dem Wappen steht in schwarzer Schrift „Höhr-Grenzhausen 1936“.
 
Verschlossen wird der imposante Bierhumpen durch einen schweren Zinndeckel mit kugeliger Daumenraste. Wie der Bodenstempel ausweist, entstand das Gefäß in der Firma Marzi&Remy. Die Jahreszahl, die besonders sorgfältige Herstellung und die feine Bemalung weisen auf den besonderen Anlaß hin, warum dieser große Bierhumpen entstand: Die Verleihung der Stadtrechte an das nun vereinte Höhr-Grenzhausen zum 1.April 1936.    
 
Schon zu Anfang des Jahrhunderts hatten sich  Höhr und Grenzhausen einzeln um die Stadtrechte bemüht. Die Wünsche wurden immer abgelehnt. Allerdings wies man höheren Orts darauf hin, dass eine Zusammenlegung der beiden Nachbargemeinden positiv für die „Einführung der Städteordnung“ wäre. Also setzten sich die Vertreter der Orte zusammen; man beriet und kam sich zunächst auch näher. Doch dann kam es zu Irritationen, jeder hatte Angst, der andere könnte bei der Zusammenlegung größere Vorteile haben. Gegenseitige Vorwürfe wurden erhoben. Ein Höhrer Gemeindevertreter meinte: „Der Grenzhäuser Charakter, wenn er mal aus seiner conservativen Schale herauskriegt (sic!), überlegt und baut vor. Wir sind leichter, vertrauensselig und werden leicht übertölpelt. Jetzt wo Grenzhausen sieht, dass wir seine Gedanken erraten haben, spielt es den Gekränkten.“ Und Bürgermeister Klemm von Grenzhausen meinte 1935 (er schlug übrigens den Namen „Eulerstadt“ für das geplante Gemeinwesen vor): „Es ist bei Grenzhausen weniger das absolut sture Festhalten am Eigenleben, als vielmehr das Gefühl des Beherrschtwerdens von Höhr. (...) Die Bevölkerung lebt glücklich und zufrieden in einem blühenden Gemeinwesen. (...) Sie ist stolz auf ihre Gemeinde und hängt an ihr und an ihrer stolzen Vergangenheit; sie ist sehr fleißig und sparsam. Die Höhrer sind dagegen ein leichtlebiges Völkchen.“
 
Trotz allem Theaterdonner konnte man aber auch zusammenarbeiten. Auf der Basis von Zweckverbänden erstanden eine Mittelschule und eine Berufsschule. Man erwarb gemeinsam das Elektrizitätswerk von der Koblenzer Straßenbahngesellschaft (später KEVAG), wobei Höhr 60% und Grenzhausen 40% des Stammkapitals bekam; als Schlüssel diente die unterschiedliche Einwohnerzahl der Gemeinden. Nur im wichtigen Punkt des gemeinsamen Stadtrechtes fand sich keine Einigung. Schließlich entschied der Oberpräsident in Kassel Philipp, Prinz von Hessen, am 27.12.1935 die Zusammenlegung und die Verleihung der Stadtrechte. Einen tags darauf eingereichten Bericht von Bürgermeister Klemm wies Landrat von Preuschen ab mit dem Vermerk: „... nun zu den Akten. Der Zusammenschluß ist bereits Tatsache.“ Mit dem offiziellen Festakt im Rathaus der neuen Stadt am 4.April 1936 fand eine lange und wechselhafte Entwicklung ihr Ende. Das Rathaus, entstanden durch den Umbau der ehemaligen Höhrer Post, stand in der Rathausstraße unterhalb der alten Goetheschule und wurde am 5.1.1945 durch Bomben zerstört.
 
Die neue Stadt, zu der auch Grenzau gehörte, zählte am 1.April 1936 5951 Einwohner. Damit war sie im Unterwesterwaldkreis die bevölkerungsreichste Stadt, die sie auch lange Zeit blieb. Heute zählt die Stadt Höhr-Grenzhausen ca. neuneinhalb Tausend Einwohner, die in allen drei Stadtteilen gut miteinander auskommen (kleinere Eifersüchteleien sind das Salz in der Suppe).
 
 
Bild: Foto-Studio Baumann  
 
letzte Änderung: 24.05.2015